Inhalt dieser Seite
- Was ist YouTube „Second Chances“?
- Wer kann nach einer Kündigung einen neuen Kanal beantragen?
- So läuft der Antrag ab
- Was du bei einem Neustart verlierst
- Neustart oder Wiederherstellung: der entscheidende Unterschied
- Wann der Kampf um den Original-Kanal die bessere Wahl ist
- Wenn Second Chances dein Weg ist: So nutzt du das Wartejahr
- Entscheidungshilfe: Einspruch und Rechtsweg oder Second Chance?
- Häufige Fragen
„Second Chances“ ist ein Pilotprogramm von YouTube, das seit dem 9. Oktober 2025 läuft: Creator, deren Kanal gekündigt wurde, können frühestens ein Jahr nach der Kündigung in YouTube Studio einen neuen Kanal beantragen. Ausgeschlossen sind Kündigungen wegen Urheberrecht und wegen der Creator-Responsibility-Richtlinien. Der neue Kanal startet ohne alte Videos und ohne Abonnenten, für das Partnerprogramm ist eine neue Bewerbung nötig. Es ist ein Neustart, keine Wiederherstellung – innerhalb des ersten Jahres sind Einspruch und Rechtsweg der Weg zum ursprünglichen Kanal.
Nach einer Kündigung galt bei YouTube lange eine einfache Regel: kein neuer Kanal, nie wieder. Seit Oktober 2025 gibt es eine Ausnahme – „Second Chances“. Klingt nach einem Ausweg. Für manche ist es einer. Für viele ist es der falsche Weg zur falschen Zeit.
Was ist YouTube „Second Chances“?
„Second Chances“ ist ein Pilotprogramm von YouTube, das am 9. Oktober 2025 gestartet ist. Es erlaubt Creatorn, deren Kanal gekündigt wurde, unter bestimmten Voraussetzungen einen neuen Kanal zu beantragen. YouTube hat das Programm im eigenen Blog und in der Hilfe vorgestellt und führt es schrittweise ein – nicht jeder Betroffene sieht die Option sofort.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Kurz nach dem Start rollte Ende 2025 eine Welle automatisierter Kündigungen über die Plattform, zahlreiche Creator berichteten von Einspruchs-Ablehnungen nach wenigen Minuten. Laut Medienberichten sollen 2025 insgesamt rund 12 Millionen Kanäle gekündigt worden sein. Viele Betroffene hoffen seitdem auf Second Chances als Ausweg – oft, ohne zu wissen, was sie dabei aufgeben.
Bis dahin bedeutete eine Kündigung laut YouTube-Hilfe, dass du keine anderen Kanäle nutzen, besitzen oder erstellen darfst. Second Chances schafft davon eine Ausnahme – frühestens nach einem Jahr und nur auf Antrag. Es ändert aber nichts daran, dass der ursprüngliche Kanal gekündigt bleibt. Was eine Kündigung im Einzelnen auslöst, erklärt YouTube-Kanal gelöscht oder gekündigt.
Second Chances ist ein Pilot. Voraussetzungen und Ablauf können sich ändern. Diese Seite gibt den Stand der YouTube-Hilfe und des YouTube-Blogs vom Oktober 2026 wieder. Prüfe vor einem Antrag die aktuelle Fassung der Hilfe.
Wer kann nach einer Kündigung einen neuen Kanal beantragen?
Laut YouTube-Hilfe gelten diese Voraussetzungen und Ausschlüsse:
- Die Kündigung liegt mindestens ein Jahr zurück.
- Du meldest dich am Desktop mit dem Konto des gekündigten Kanals in YouTube Studio an.
- Die Option wird dir angezeigt – die Einführung erfolgt schrittweise.
- Kündigungen wegen Urheberrechtsverletzungen sind ausgeschlossen.
- Kündigungen wegen Verstößen gegen die Creator-Responsibility-Richtlinien sind ausgeschlossen.
- Wer den gekündigten Kanal oder sein Google-Konto gelöscht hat, sieht die Option nicht.
Der letzte Punkt ist eine Falle, in die man leicht tappt: Wer nach der Kündigung aus Frust alles löscht, verbaut sich den offiziellen Neustart. Bei einer Kündigung nach drei Urheberrechtsverwarnungen ist Second Chances ohnehin keine Option – hier sind Rücknahme und Gegendarstellung die Wege, die du kennen solltest.
So läuft der Antrag ab
- Ein Jahr abwarten. Frühestens zwölf Monate nach der Kündigung ist ein Antrag möglich. Bis dahin gilt das Umgehungsverbot uneingeschränkt weiter.
- In YouTube Studio anmelden. Am Desktop, mit dem Konto des gekündigten Kanals.
- „Request new channel“ wählen. Erscheint die Option, startest du darüber den Antrag.
- YouTube prüft. Berücksichtigt werden laut YouTube unter anderem Schwere und Dauer der früheren Verstöße sowie Schäden auf oder außerhalb der Plattform.
- Neustart bei Zustimmung. Du bekommst einen neuen Kanal und musst dich für das Partnerprogramm neu bewerben.
Einen Anspruch auf Zustimmung gibt es nicht. YouTube entscheidet nach eigenem Ermessen – anders als bei der Wiederherstellung, die du mit rechtlichen Mitteln einfordern kannst.
Was du bei einem Neustart verlierst
Der neue Kanal startet ohne deine alten Videos und ohne deine Abonnenten. Regelkonforme alte Videos darfst du laut YouTube neu hochladen. Das Problem: Nach einer Kündigung kannst du deine YouTube-Inhalte laut YouTube nicht mehr herunterladen. Neu hochladen kannst du also nur, was du selbst lokal gesichert hast.
Dazu kommt, was sich nicht neu hochladen lässt: die Kommentare unter deinen Videos, die über Jahre gewachsene Reichweite und alle Links, die irgendwo im Netz auf deine alten Videos zeigen. Wer seinen Lebensunterhalt mit YouTube verdient, fängt mit Second Chances wirtschaftlich fast bei null an – ohne Einnahmen aus dem Partnerprogramm, bis die neue Bewerbung durch ist.
Neustart oder Wiederherstellung: der entscheidende Unterschied
„Mit Second Chances bekomme ich meinen Kanal zurück.“
Second Chances ist ein Neustart. Der alte Kanal bleibt gekündigt, du beginnst mit einem leeren Kanal. Eine Wiederherstellung – nach erfolgreichem Einspruch oder durch gerichtliche Anordnung – bringt dagegen den ursprünglichen Kanal zurück.
Rechtlich ist der Unterschied ebenso groß. Second Chances ist ein freiwilliges Angebot von YouTube, auf das du keinen Anspruch hast. Die Wiederherstellung kannst du dagegen geltend machen: mit Einspruch, Beschwerde nach Art. 20 DSA, Streitbeilegung nach Art. 21 DSA und notfalls vor Gericht. Deutsche Gerichte haben YouTube mehrfach zur Freischaltung verpflichtet, etwa das OLG Bamberg 2025 (4 U 62/25 e).
Wann der Kampf um den Original-Kanal die bessere Wahl ist
Im ersten Jahr nach der Kündigung ist Second Chances keine Option – der Antrag ist frühestens nach zwölf Monaten möglich. Wer abwartet, lässt also ein ganzes Jahr verstreichen, in dem er laut YouTube auch keinen anderen Kanal betreiben darf. In genau diesem Jahr liegen aber alle Wege zum Original-Kanal: Der Einspruch ist bis zu einem Jahr möglich, die DSA-Wege stehen offen, und die Gerichte auch.
Besonders deutlich wird das bei frischen Kündigungen. Für eine einstweilige Verfügung muss die Sache dringlich sein; sicher planen solltest du mit einem Monat ab Kenntnis der Sperre. In unserem eigenen Fall lagen zwischen Kündigung und Gerichtsbeschluss 13 Tage, danach wurde der ursprüngliche Kanal wieder freigegeben. Ein Neustart nach einem Jahr hätte das nicht leisten können.
Bis zu einem genehmigten Neustart gilt das Umgehungsverbot: keine anderen Kanäle nutzen, besitzen oder erstellen. Wer vorzeitig einen neuen Kanal startet, riskiert dessen Kündigung – und liefert YouTube womöglich einen weiteren Verstoß, der bei der späteren Prüfung zählt. Mehr dazu: Neuen Kanal nach einer Sperre erstellen – erlaubt?
Second Chances ist damit vor allem für zwei Gruppen interessant: für Creator, deren Einspruchsfrist abgelaufen ist und bei denen kein rechtlicher Weg mehr realistisch erscheint – und für Creator, die nach einer berechtigten Kündigung bewusst neu anfangen wollen. Wer sich noch im ersten Jahr befindet, sollte zuerst prüfen, ob sich der ursprüngliche Kanal zurückholen lässt: alle Wege im Überblick. Ist der Einspruch schon gescheitert, helfen die nächsten Schritte nach der Ablehnung.
Wenn Second Chances dein Weg ist: So nutzt du das Wartejahr
Manchmal ist der Neustart die realistische Option – etwa wenn die Einspruchsfrist abgelaufen ist oder die Kündigung im Kern berechtigt war. Dann entscheidet das Jahr vor dem Antrag darüber, wie gut der Neustart gelingt. Diese Punkte gehören auf deine Liste:
- Nichts löschen. Weder den gekündigten Kanal noch das Google-Konto – sonst siehst du die Option später nicht.
- Keine Umgehung. Kein Zweitkanal, kein Kanal unter fremdem Namen und keine Re-Uploads deiner Inhalte durch Freunde oder Fans.
- Lokale Sicherungen ordnen. Welche Videos hast du noch als Datei? Nur diese kannst du später neu hochladen.
- Den Kündigungsgrund verstehen. Eine Datenauskunft nach Art. 15 DSGVO kann zeigen, welche Vorgänge hinter der Entscheidung stehen.
- Alte Videos vorab prüfen. Nur regelkonforme Inhalte gehören auf den neuen Kanal. Ein Richtlinien-Audit vor dem ersten Upload verhindert, dass derselbe Vorwurf erneut auftaucht.
- Den Kontakt zur Community halten. Newsletter, eigene Website oder andere Plattformen – das Umgehungsverbot von YouTube bezieht sich auf YouTube-Kanäle.
Plane außerdem die Zeit nach der Zustimmung ein. Der neue Kanal startet ohne Monetarisierung, die Bewerbung für das Partnerprogramm beginnt von vorn. Wer bisher vom Kanal gelebt hat, braucht für diese Phase eine finanzielle Brücke – und sollte ehrlich durchrechnen, ob der Weg über den Original-Kanal nicht doch der wirtschaftlich bessere ist.
Entscheidungshilfe: Einspruch und Rechtsweg oder Second Chance?
| Deine Situation | Einspruch & Rechtsweg | Second Chance |
|---|---|---|
| Kündigung liegt weniger als 1 Monat zurück, Kanal ist Einkommen | ✓ erste Wahl, Eilverfahren prüfen lassen | ✕ noch nicht möglich |
| Kündigung ist 1 bis 12 Monate alt | ✓ Einspruch, Art. 20 und 21 DSA, ggf. Klage | ✕ noch nicht möglich |
| Kündigung ist älter als 1 Jahr | Einspruch abgelaufen; rechtliche Prüfung im Einzelfall | ✓ Antrag möglich, sobald angezeigt |
| Kündigung wegen Urheberrecht | ✓ Rücknahme, Gegendarstellung, Rechtsweg | ✕ ausgeschlossen |
| Kündigung wegen Creator-Responsibility-Richtlinien | im Einzelfall prüfen lassen | ✕ ausgeschlossen |
| Kündigung war berechtigt, du willst neu anfangen | wenig Aussicht | ✓ nach 1 Jahr der vorgesehene Weg |
Lass prüfen, ob dein ursprünglicher Kanal noch zu retten ist. Der kostenlose Sperr-Check zeigt dir in wenigen Minuten, welche Hebel in deinem Fall greifen. Wenn dein Kanal dein Einkommen ist und es schnell gehen muss, übernimmt Kanal-Rettung Komplett den gesamten Ablauf; die rechtliche Vertretung erfolgt über eine unabhängige Partnerkanzlei, die du selbst beauftragst.
Häufige Fragen
Wann darf ich nach einer Kündigung einen neuen YouTube-Kanal erstellen?
Offiziell frühestens ein Jahr nach der Kündigung – und nur über einen genehmigten Antrag im Programm Second Chances. Vorher verbietet YouTube, andere Kanäle zu nutzen, zu besitzen oder zu erstellen; ein eigenmächtig angelegter Kanal gilt als Umgehung. Was das im Detail bedeutet: Neuen Kanal nach einer Sperre erstellen – erlaubt?
Warum sehe ich die Option „Request new channel“ nicht?
Mögliche Gründe: Die Kündigung liegt noch kein Jahr zurück, sie beruhte auf Urheberrecht oder den Creator-Responsibility-Richtlinien, du hast den Kanal oder das Google-Konto gelöscht – oder die Option ist bei dir noch nicht angekommen, weil YouTube den Pilot schrittweise einführt. Die Option erscheint in YouTube Studio am Desktop.
Kann ich meine alten Videos auf dem neuen Kanal wieder hochladen?
Ja, soweit sie regelkonform sind – das erlaubt YouTube ausdrücklich. Videos, die zur Kündigung beigetragen haben, solltest du nicht erneut hochladen. Und lass Freunde oder Fans deine Inhalte nicht vorher auf ihren Kanälen hochladen: Auch das Hochladen von Inhalten gekündigter Creator wertet YouTube als Umgehung.
Muss ich mich nach Second Chances neu für das Partnerprogramm bewerben?
Ja. Der neue Kanal ist nicht automatisch monetarisiert; laut YouTube ist eine neue Bewerbung für das Partnerprogramm nötig. Bis dahin verdienst du über YouTube-Werbung nichts – plane das wirtschaftlich ein.
Gilt Second Chances auch nach drei Urheberrechtsverwarnungen?
Nein, Kündigungen wegen Urheberrechtsverletzungen sind ausgeschlossen. Hier helfen nur die urheberrechtlichen Wege: Rücknahme durch den Anspruchsteller oder eine Gegendarstellung, die laut YouTube auch nach einer Kündigung per E-Mail möglich ist. Mehr unter Urheberrechtsverwarnung: Kanal-Kündigung abwenden.
Kann ich gegen die Kündigung vorgehen und später trotzdem Second Chances nutzen?
Innerhalb des ersten Jahres stehen dir Einspruch, DSA-Beschwerde und Rechtsweg offen, und Second Chances ist in dieser Zeit ohnehin noch nicht möglich. Laut YouTube bleibt der Einspruch im ersten Jahr unberührt. Ob ein späterer Antrag Auswirkungen auf ein laufendes Verfahren hat, solltest du im Einzelfall anwaltlich klären lassen. Alle Fristen: Fristen nach einer YouTube-Sperre.