Lexikon · Stand Oktober 2026

Lexikon: 40 Begriffe rund um YouTube-Sperren

Strike, Kündigung, Statement of Reasons, Verfügungsgrund: Nach einer Sperre treffen dich Begriffe aus YouTube-Hilfe, EU-Recht und Zivilprozess auf einmal. Hier ist jeder in zwei bis vier Sätzen erklärt – neutral, mit Quelle und mit dem Link zur ausführlichen Seite.

A

Abmahnung (vor einer Kündigung)
Eine Abmahnung ist die förmliche Aufforderung, ein vertragswidriges Verhalten abzustellen, bevor ein Vertrag gekündigt wird. Für Kontosperren auf Plattformen haben das OLG Dresden (Urt. v. 08.03.2022 – 4 U 1050/21) und das OLG Karlsruhe (Urt. v. 04.02.2022 – 10 U 17/20) entschieden, dass eine dauerhafte Deaktivierung oder Kündigung grundsätzlich erst nach vorheriger Abmahnung zulässig ist. Auch YouTubes Nutzungsbedingungen sehen vor, bei vertragswidrigem Verhalten grundsätzlich Gelegenheit zur Abhilfe zu geben – mit Ausnahmen. Beide Entscheidungen findest du in der Urteils-Datenbank.
Appeals Centre Europe (ACE)
Das Appeals Centre Europe ist eine zertifizierte außergerichtliche Streitbeilegungsstelle nach Art. 21 DSA mit Sitz in Dublin, die auch Entscheidungen von YouTube prüft. Zertifiziert hat es am 26.09.2024 die irische Medienaufsicht Coimisiún na Meán; eine Nutzergebühr wird laut eigener FAQ derzeit nicht erhoben. Nicht angenommen werden u. a. Fälle zu Urheberrecht, Umgehung, verknüpften oder gehackten Konten, automatisiertem Spam sowie Entscheidungen, die älter als sechs Monate sind. Laut Transparenzbericht (April 2025 – März 2026) gingen 488 zulässige YouTube-Fälle ein – mehr im Ratgeber zur Streitbeilegung nach Art. 21 DSA.
Art. 17 DSA (Begründung, „Statement of Reasons“)
Art. 17 DSA verpflichtet Plattformen, jede Beschränkung – etwa die Entfernung von Inhalten, eine Demonetarisierung oder die Sperre oder Schließung eines Kontos – klar und spezifisch zu begründen. Die Begründung, englisch „Statement of Reasons“, muss spätestens mit der Maßnahme kommen und u. a. die Tatsachen, den Einsatz automatisierter Mittel, die konkrete Vertragsklausel und die Rechtsbehelfe nennen. Das OLG Bamberg nannte YouTubes Sperrmitteilungen „pauschal und allenfalls rudimentär“, ließ die Vereinbarkeit mit Art. 17 DSA aber offen (4 U 62/25 e). Mehr unter Digital Services Act: Deine Rechte gegenüber YouTube.
Art. 20 DSA (internes Beschwerdeverfahren)
Art. 20 DSA verpflichtet Plattformen, gegen ihre Moderationsentscheidungen ein kostenloses, elektronisches Beschwerdeverfahren anzubieten, das mindestens sechs Monate nach der Entscheidung offensteht. Beschwerden müssen zeitnah, sorgfältig und willkürfrei bearbeitet werden und dürfen nicht allein automatisiert entschieden werden; ist eine Beschwerde begründet, ist die Entscheidung unverzüglich rückgängig zu machen. Google zählt YouTube-Einsprüche in seinen DSA-Berichten als solche Beschwerden. Wie du sie nutzt, erklärt der Ratgeber DSA-Beschwerde gegen YouTube.
Art. 21 DSA (außergerichtliche Streitbeilegung)
Art. 21 DSA gibt Nutzern das Recht, Moderationsentscheidungen von einer zertifizierten, unabhängigen Streitbeilegungsstelle ihrer Wahl prüfen zu lassen. Das Verfahren ist für Nutzer kostenlos oder gegen eine Schutzgebühr; die Stelle muss spätestens 90 Kalendertage nach Eingang entscheiden, in hochkomplexen Fällen höchstens 90 Tage später. Die Entscheidung ist für die Plattform nicht bindend, und der Weg zu den Gerichten bleibt jederzeit offen. Für YouTube kommen u. a. User Rights, das Appeals Centre Europe und Platform Control infrage – mehr im Ratgeber zur außergerichtlichen Streitbeilegung.
Art. 23 DSA (Schutz vor Missbrauch)
Art. 23 DSA verpflichtet Plattformen, Nutzer, die häufig offensichtlich rechtswidrige Inhalte bereitstellen, für einen angemessenen Zeitraum zu sperren – aber erst nach vorheriger Warnung und Prüfung des Einzelfalls. Dasselbe gilt für Nutzer, die häufig offensichtlich unbegründete Meldungen oder Beschwerden einreichen. Die Vorschrift betrifft rechtswidrige Inhalte; für Sperren wegen Verstößen gegen die Community-Richtlinien sind vor allem Art. 14, 17 und 20 DSA sowie das AGB-Recht maßgeblich. Überblick unter Digital Services Act und YouTube.

B

Beschlussverfügung
Eine Beschlussverfügung ist eine einstweilige Verfügung, die das Gericht ohne mündliche Verhandlung per Beschluss erlässt – möglich in dringenden Fällen (§ 937 Abs. 2 ZPO). Sie muss innerhalb eines Monats vollzogen, also in der Regel der Gegenseite im Parteibetrieb zugestellt werden (§§ 929 Abs. 2, 936 ZPO). Die Gerichtsgebühr beträgt bei einem Streitwert von 15.000 € 516 €. In unserem eigenen Fall erging eine solche Verfügung 13 Tage nach der Sperre – mehr zur einstweiligen Verfügung gegen YouTube.
Bundesnetzagentur (Koordinator für digitale Dienste)
Die Bundesnetzagentur ist in Deutschland der Koordinator für digitale Dienste (Digital Services Coordinator, DSC) nach dem DSA und zugleich die zentrale Beschwerdestelle (§§ 12, 20 DDG). Bei ihr kannst du nach Art. 53 DSA eine Beschwerde über mutmaßliche DSA-Verstöße einer Plattform einreichen. Sie löst aber laut eigener Aussage keine Streitigkeiten zwischen Nutzern und Plattformen und kann deinen Kanal nicht freischalten; für YouTube sind vorrangig die irische Aufsicht und die EU-Kommission zuständig. Mehr unter Digital Services Act und YouTube.

C

Community-Richtlinien
Die Community-Richtlinien sind YouTubes Regeln dafür, welche Inhalte und Verhaltensweisen auf der Plattform nicht erlaubt sind – etwa Spam, Belästigung, Hassrede oder gefährliche Inhalte. Verstöße führen zu Warnungen, Verwarnungen (Strikes) und im äußersten Fall zur Kanalkündigung. Gerichte haben Grenzen gezogen: Eine zulässige Meinungsäußerung darf nicht allein unter Berufung auf die Richtlinien entfernt werden (KG Berlin, 10 W 172/18), und geänderte Richtlinien gelten nur bei wirksamem Änderungsvorbehalt (OLG Dresden, 4 W 118/21). Mehr unter Verwarnungen und Strikes und in der Urteils-Datenbank.
Content ID
Content ID ist YouTubes automatisiertes System, das hochgeladene Videos mit Referenzdateien von Rechteinhabern abgleicht. Ein Content-ID-Anspruch kann etwa dazu führen, dass Werbeeinnahmen an den Rechteinhaber gehen oder ein Video blockiert wird, ist laut YouTube-Hilfe aber keine Urheberrechtsverwarnung. Wer einen Anspruch unberechtigt anficht, riskiert allerdings einen Löschantrag – und damit eine Verwarnung. Mehr unter Urheberrechtsverwarnung: Kanal-Kündigung abwenden.

D

Dringlichkeit
Dringlichkeit bedeutet, dass eine Sache so eilig ist, dass ein Eilverfahren statt eines normalen Prozesses gerechtfertigt ist – wer zu lange wartet, widerlegt sie selbst. Eine feste gesetzliche Frist gibt es nicht; das OLG Köln sieht in der Regel erst ein Zuwarten von mehr als einem Monat als schädlich an, ausdrücklich auch bei Kontosperren (15 W 70/18). Andere Oberlandesgerichte sind teils großzügiger, sicher planst du aber mit einem Monat ab Kenntnis der Sperre. Alle Fristen im Überblick: Fristen nach einer YouTube-Sperre.

E

Eidesstattliche Versicherung
Eine eidesstattliche Versicherung ist eine schriftliche Erklärung, mit der jemand die Richtigkeit eigener Angaben an Eides statt versichert. Im Eilverfahren ist sie ein zentrales Mittel der Glaubhaftmachung (§ 294 ZPO), etwa für den Ablauf der Sperre, die eigenen Einnahmen oder das eigene Verhalten. Eine falsche eidesstattliche Versicherung gegenüber dem Gericht ist strafbar (§§ 156, 161 StGB). Welche Belege du daneben brauchst: Beweise sichern nach einer Kanal-Sperre.
Einspruch (Beschwerde bei YouTube)
Ein Einspruch ist der Antrag an YouTube, eine eigene Entscheidung – etwa eine Kanalkündigung, eine Verwarnung oder eine Inhaltsentfernung – erneut zu prüfen. Gegen eine Kanalkündigung ist er laut YouTube-Hilfe bis zu ein Jahr lang möglich, die Zahl der Versuche ist aber begrenzt (die US-Hilfe nennt seit Oktober 2026 zwei Einsprüche im Jahr); gegen eine Warnung oder Verwarnung gelten sechs Monate und nur ein Einspruch. Google zählt Einsprüche in seinen DSA-Berichten als Beschwerden nach Art. 20 DSA. Schritt für Schritt: YouTube-Einspruch einlegen.
Einstweilige Verfügung
Eine einstweilige Verfügung ist eine vorläufige gerichtliche Anordnung im Eilverfahren (§§ 935, 940 ZPO), die einen Anspruch sichert, bis in der Hauptsache entschieden ist. Voraussetzung sind ein Verfügungsanspruch und ein Verfügungsgrund, die beide glaubhaft gemacht werden müssen. Gegen YouTube kann sie etwa die Freischaltung eines Kanals unter Androhung von Ordnungsgeld anordnen – so verpflichtete das OLG Bamberg YouTube, drei Kanäle befristet bis 31.01.2027 freizuschalten (4 U 62/25 e). Ablauf und Kosten: Einstweilige Verfügung gegen YouTube.

G

Gegendarstellung (Urheberrecht)
Eine Gegendarstellung ist bei YouTube der formelle Widerspruch gegen eine Entfernung wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung. Dein Name und deine Adresse werden dabei an den Anspruchsteller übermittelt; weist er nicht binnen zehn US-Werktagen eine Klage nach, wird der Inhalt wiederhergestellt. Laut YouTube ist eine Gegendarstellung auch nach einer Kündigung noch möglich. Nicht zu verwechseln mit der presserechtlichen Gegendarstellung – mehr unter Urheberrechtsverwarnung.
Glaubhaftmachung
Glaubhaftmachung ist das im Eilverfahren geltende, abgesenkte Beweismaß: Es genügt, dass eine Behauptung überwiegend wahrscheinlich ist (Grundlage: § 294 ZPO). Zugelassen sind alle Beweismittel, die sofort verfügbar sind, einschließlich der eidesstattlichen Versicherung. Bei einer Kanalsperre sind das typischerweise Sperrmitteilung, Screenshots, Statistiken, Einnahmenachweise und dokumentierte Kontaktversuche. Die Checkliste dazu: Beweise sichern.
Google Ireland Limited
Google Ireland Limited mit Sitz in Dublin ist YouTubes Vertragspartner für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz – und damit die Gegenseite in jedem Verfahren um einen gesperrten Kanal. Laut den deutschen Nutzungsbedingungen gilt für Nutzer mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland deutsches Recht, und Verfahren können vor den nach dem Gesetz zuständigen örtlichen Gerichten geführt werden. Gerichtliche Schriftstücke müssen nach Irland zugestellt werden, was im Eilverfahren Zeit kostet. Mehr unter Anwalt bei YouTube-Sperre.
Google-Konto-Sperre
Bei einer Google-Konto-Sperre wird das gesamte Google-Konto deaktiviert, nicht nur der YouTube-Kanal – betroffen sind dann auch Dienste wie Gmail und Drive. In seinen DSA-Berichten führt Google solche kontoweiten Kündigungen, nach denen sich Nutzer bei keinem Google-Dienst mehr anmelden können, gesondert unter „Multi-Services“. Gegen die Sperre gibt es ein eigenes Formular für gesperrte Konten. Die Unterschiede erklärt YouTube-Konto gesperrt: Wenn das ganze Google-Konto deaktiviert ist.

I

Inauthentic Content (nicht authentische Inhalte)
„Inauthentic Content“ ist ein Begriff aus YouTubes Monetarisierungsrichtlinien für massenproduzierte, generische oder sich wiederholende Inhalte, die vor allem Aufrufe erzeugen sollen. Am 15.07.2025 wurde die frühere Kategorie „sich wiederholende Inhalte“ („repetitious content“) so umbenannt und präzisiert. Ein Verstoß kann zum Ausschluss aus dem Partnerprogramm führen; davon zu trennen sind die Spam-Regeln der Community-Richtlinien, die seit etwa Juni 2026 auch automatisierte Massenproduktion erfassen und bis zur Kündigung führen können. Mehr unter KI- und Faceless-Kanal gesperrt.

K

Kanalkündigung (Schließung)
Eine Kanalkündigung ist die dauerhafte Schließung eines YouTube-Kanals durch YouTube; die deutsche YouTube-Hilfe spricht von der „Schließung des Kontos oder Kanals“. Gründe sind laut Hilfe u. a. drei Verwarnungen in 90 Tagen, ein einzelner schwerer Verstoß, ein gezielt für Verstöße genutzter Kanal, drei Urheberrechtsverwarnungen sowie Spam, irreführende Praktiken und Betrug. Danach darfst du keine anderen Kanäle nutzen oder erstellen, eigene YouTube-Inhalte nicht mehr herunterladen, und die Einnahmen aus dem Partnerprogramm entfallen. Alles zu den Folgen: YouTube-Kanal gekündigt.

L

Leistungsverfügung
Eine Leistungsverfügung ist eine einstweilige Verfügung, die die Gegenseite nicht nur zum Unterlassen, sondern zu einer Leistung verpflichtet – etwa zur Freischaltung eines Kanals – und damit die Hauptsache teilweise vorwegnimmt. Gerichte erlassen sie nur ausnahmsweise, wenn der Antragsteller dringend auf die sofortige Erfüllung angewiesen ist, etwa weil seine Existenz betroffen ist. Das OLG Bamberg bejahte das bei einem Creator mit Lebensunterhalt und Mitarbeitern aus dem Kanal und befristete die Freischaltung bis 31.01.2027 (4 U 62/25 e). Mehr unter Einstweilige Verfügung gegen YouTube.

N

Nutzungsbedingungen
Die Nutzungsbedingungen sind der Vertrag zwischen dir und YouTube; Vertragspartner in Deutschland ist Google Ireland Limited. Sie erlauben eine Kündigung u. a. bei erheblichen oder wiederholten Verstößen, bei einer rechtlichen Verpflichtung oder bei „objektiven und konkreten Gründen“ für schädigendes Verhalten und sehen grundsätzlich die Gelegenheit vor, eine Verletzung abzustellen. Als Allgemeine Geschäftsbedingungen unterliegen sie der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB – der BGH erklärte 2021 Sperrklauseln von Facebook ohne Informations- und Anhörungsverfahren für unwirksam (III ZR 179/20). Mehr im Ratgeber zum BGH-Urteil zur Kontosperre.

O

Ordnungsgeld
Ein Ordnungsgeld ist ein Zwangsmittel, das das Gericht festsetzt, wenn die Gegenseite gegen eine gerichtliche Unterlassungsanordnung verstößt (§ 890 ZPO). Es kann bis zu 250.000 € je Verstoß betragen und muss vorher angedroht sein, was in der Regel schon in der Verfügung geschieht. Das OLG Dresden setzte gegen YouTube 100.000 € fest, weil ein Video zu spät wiederhergestellt wurde (Beschl. v. 29.06.2021 – 4 W 396/21). Weitere Entscheidungen in der Urteils-Datenbank.

P

Partnerprogramm (YPP) und Monetarisierung
Das YouTube-Partnerprogramm (YPP) ist das Programm, über das Creator mit Werbung und weiteren Funktionen Geld verdienen; eine Demonetarisierung entzieht diese Möglichkeit, ohne den Kanal zu löschen. Gegen einen erfolgten Ausschluss ist laut YouTube-Hilfe binnen 21 Tagen Einspruch möglich, bei einem angekündigten Ausschluss binnen 7 Tagen; nach einem abgelehnten Einspruch ist eine neue Bewerbung erst nach 90 Tagen möglich. Auch eine Beschränkung der Monetarisierung muss nach Art. 17 DSA begründet werden. Mehr unter Monetarisierung entzogen: YPP-Ausschluss anfechten.

R

Richtlinientraining
Das Richtlinientraining ist eine optionale Online-Schulung, die YouTube seit dem 29.08.2023 nach einer ersten Warnung wegen eines Verstoßes gegen die Community-Richtlinien anbietet. Wer es absolviert, bei dem läuft die Warnung 90 Tage nach Abschluss des Trainings ab. Verstößt der Kanal in dieser Zeit erneut gegen dieselbe Richtlinie, kann eine Verwarnung (Strike) folgen. Mehr unter Verwarnungen und Strikes.

S

Second Chances
„Second Chances“ ist ein Pilotprogramm von YouTube (seit 09.10.2025), über das gekündigte Creator frühestens ein Jahr nach der Kündigung einen neuen Kanal beantragen können. Der Antrag läuft über YouTube Studio am Desktop; ausgeschlossen sind Kündigungen wegen Urheberrecht und wegen der Richtlinie zur Verantwortung von Creatorn. Es ist ein Neustart ohne alte Videos und Abonnenten, keine Wiederherstellung, und wer Kanal oder Google-Konto gelöscht hat, sieht die Option nicht. Alle Details: YouTube „Second Chances“.
Spam, irreführende Praktiken und Betrug
„Spam, irreführende Praktiken und Betrug“ ist eine Kategorie der YouTube-Community-Richtlinien, die u. a. Spam, irreführende Metadaten, Betrugsmaschen und seit etwa Juni 2026 auch automatisierte Massenproduktion und kopierte („scraped“) Inhalte erfasst. Sie ist der mit Abstand häufigste Grund für Kanalentfernungen: Im 2. Quartal 2026 entfielen laut Google-Transparenzbericht 84,5 % der weltweit entfernten Kanäle darauf. Kündigungsmitteilungen nennen oft nur diese Richtlinie, aber kein konkretes Video. Mehr unter Gesperrt wegen „Spam, irreführende Praktiken und Betrug“ und in der Statistik zu YouTube-Sperren.
Streitwert
Der Streitwert ist der in Geld bemessene Wert eines Rechtsstreits; nach ihm richten sich Gerichts- und Anwaltsgebühren. In Verfahren um YouTube-Sperren liegt er für ein Video oder eine Verwarnung meist bei 7.500 bis 10.000 €, für einen Kanal oder ein Konto bei 10.000 bis 15.000 €, bei gewerblichen Mehrkanal-Fällen auch bei 30.000 €. Bei 15.000 € betragen die Gerichtskosten einer Beschlussverfügung 516 €. Mehr unter Was kostet ein Anwalt bei einer YouTube-Sperre?
Strike (Verwarnung)
Ein Strike – auf Deutsch Verwarnung – ist YouTubes Sanktion für einen Verstoß gegen die Community-Richtlinien nach der ersten Warnung. Die erste Verwarnung sperrt Uploads und weitere Funktionen für eine Woche, eine zweite innerhalb von 90 Tagen für zwei Wochen, eine dritte innerhalb von 90 Tagen führt zur Kündigung; jede Verwarnung läuft nach 90 Tagen ab. Einspruch ist binnen sechs Monaten möglich, nur einmal je Verwarnung und nicht mehr, wenn du das Video gelöscht hast. Urheberrechtsverwarnungen folgen einem eigenen System – Überblick unter YouTube-Verwarnung und Strikes.

T

TeamYouTube und Creator Support
TeamYouTube ist YouTubes offizielles Support-Konto auf X (@TeamYouTube); der Creator Support ist der Hilfe-Kanal für Mitglieder des Partnerprogramms. TeamYouTube antwortet laut YouTube-Hilfe von Montag 9 Uhr bis Freitag 17 Uhr Pazifikzeit, nicht auf Deutsch, und hilft nicht bei Streit über Richtlinienentscheidungen, Urheberrecht oder Rechtsstreitigkeiten. Der Chat des Creator Supports ist laut YouTube-FAQ in der EU, im Vereinigten Königreich und in der Schweiz nicht verfügbar. Was realistisch hilft: TeamYouTube und Creator Support kontaktieren.
Transparenzdatenbank
Die DSA-Transparenzdatenbank ist eine öffentliche Datenbank der EU-Kommission, in die Plattformen ihre Begründungen nach Art. 17 DSA unverzüglich und ohne personenbezogene Daten einstellen müssen (Art. 24 Abs. 5 DSA). Auch YouTube übermittelt dort Begründungen, etwa zu Kanalschließungen. Die eigene Begründung lässt sich darin aber praktisch nicht finden, weil Einträge keine Kanalnamen oder Konto-IDs enthalten und die Suche nur etwa sechs Monate zurückreicht. Mehr unter DSA-Beschwerde gegen YouTube.

U

Umgehung
Umgehung bedeutet bei YouTube, nach einer Kündigung oder Einschränkung einen anderen Kanal zu nutzen, zu erstellen oder zu erwerben, um die Maßnahme zu unterlaufen; das kann zur Kündigung aller Kanäle führen. In Googles DSA-Bericht für das 1. Halbjahr 2026 entfielen 97.963 von 157.264 Kontokündigungen, die YouTube in der EU auf eigene Initiative aussprach, auf diese Kategorie. Das OLG Bamberg legt den Begriff eng aus: Die bloße Weiternutzung bereits bestehender, eigenständiger Kanäle ist keine Umgehung (4 U 62/25 e). Mehr unter Gesperrt wegen verknüpfter Konten und Neuer Kanal nach einer Sperre.

V

Verfügungsanspruch
Der Verfügungsanspruch ist der materielle Anspruch, den eine einstweilige Verfügung sichern soll. Bei Kanalsperren ist das meist ein vertraglicher Anspruch auf Freischaltung oder Unterlassung – etwa weil die Sperrklausel unwirksam ist (§ 307 BGB), vorher nicht abgemahnt oder angehört wurde oder gar kein Verstoß vorliegt. Er muss glaubhaft gemacht werden (§§ 920 Abs. 2, 936 ZPO). Mehr unter Einstweilige Verfügung gegen YouTube.
Verfügungsgrund
Der Verfügungsgrund ist die Eilbedürftigkeit: Es muss nachvollziehbar sein, dass ein Abwarten des normalen Verfahrens unzumutbar ist. Anders als bei wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsansprüchen (§ 12 UWG) wird er bei Kontosperren nicht vermutet, sondern muss dargelegt und glaubhaft gemacht werden. Gerichte bejahen ihn eher bei gewerblichen Kanälen mit Einnahmen und Mitarbeitern (OLG Bamberg, 4 U 62/25 e) als bei rein privat genutzten Konten (OLG Frankfurt a. M., 17 W 8/23). Beide Entscheidungen findest du in der Urteils-Datenbank.
Verknüpfte Konten
Verknüpfte Konten sind Kanäle, die YouTube derselben Person oder demselben Betreiber zuordnet. Nach einer Kündigung erfasst das Verbot auch bestehende, neu erstellte oder erworbene Kanäle sowie Kanäle, in denen du wiederholt oder prominent auftrittst; hat ein verknüpfter Kanal drei aktive Urheberrechtsverwarnungen, kann laut YouTube-Hilfe auch dein eigener Kanal gekündigt werden. Ende 2025 wurden Kanäle wegen angeblicher Verknüpfung mit fremden Kanälen gekündigt und teils erst nach öffentlichem Druck wiederhergestellt. Das Appeals Centre Europe nimmt solche Fälle nicht an – mehr unter Gesperrt wegen verknüpfter Konten.
Verwirkung
Verwirkung bedeutet, dass ein Recht nicht mehr ausgeübt werden kann, weil der Berechtigte lange untätig blieb und beim anderen das berechtigte Vertrauen entstand, er werde es nicht mehr geltend machen (§ 242 BGB). Für YouTube bedeutsam: Das Landgericht Dresden erklärte die Kündigung eines jahrelang geduldeten Zweitkanals für unwirksam, weil YouTube sein Kündigungsrecht verwirkt hatte; YouTube nahm die Berufung beim OLG Dresden zurück (4 U 2135/20). Die Entscheidung findest du in der Urteils-Datenbank.

W

Warnung
Eine Warnung ist in der Regel YouTubes erste Reaktion auf einen Verstoß gegen die Community-Richtlinien und hat – anders als eine Verwarnung – zunächst keine Funktionssperre zur Folge. Mit dem optionalen Richtlinientraining läuft sie 90 Tage nach Abschluss des Trainings ab; ein erneuter Verstoß gegen dieselbe Richtlinie in diesem Zeitraum kann eine Verwarnung auslösen. Bei einem schweren Verstoß kann YouTube auch ohne vorherige Warnung kündigen. Die Unterschiede erklärt Kündigung, Sperre, Strike, Deaktivierung.
Wiederverwendete Inhalte
Wiederverwendete Inhalte sind laut YouTubes Monetarisierungsrichtlinien Inhalte, die bereits anderswo auf YouTube oder online vorhanden sind und ohne nennenswerte eigene Erläuterungen, wesentliche Änderungen oder Bildungs- bzw. Unterhaltungswert übernommen werden. Ein Verstoß kann zur Demonetarisierung oder zum Ausschluss aus dem Partnerprogramm führen, ist für sich aber kein Verstoß gegen die Community-Richtlinien. Davon zu trennen sind kopierte („scraped“) Inhalte, die YouTube seit etwa Juni 2026 als Spam nach den Community-Richtlinien einordnet. Mehr unter Reaction- und Kommentar-Kanal gesperrt.

Z

Zustellung im Parteibetrieb
Zustellung im Parteibetrieb heißt, dass nicht das Gericht, sondern die antragstellende Partei eine Beschlussverfügung der Gegenseite zustellen lässt. Sie ist nötig, um die Verfügung zu vollziehen, und muss innerhalb eines Monats erfolgen (§§ 929 Abs. 2, 936 ZPO). Bei YouTube geht die Zustellung an Google Ireland Limited nach der EU-Zustellungsverordnung (VO (EU) 2020/1784); laut OLG Düsseldorf genügt es regelmäßig, die Auslandszustellung fristgerecht zu beantragen, wenn sie „demnächst“ erfolgt (I-20 U 120/23). Mehr unter Einstweilige Verfügung gegen YouTube.

Dieses Lexikon ist allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Kanalgesperrt.de ist keine Rechtsanwaltskanzlei; ob ein Begriff oder eine Entscheidung auf deinen Fall passt, prüft eine Anwältin oder ein Anwalt. Wo deine Sperre steht, zeigt der kostenlose Sperr-Check.

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